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Aus unseren Tagesstrukturierenden Angeboten im SPZ in Köln Kalk - Das blaue Pferd – Symbol für Wandel, Freiheit und Dialog

Seit Kurzem steht in der Kontakt- und Beratungsstelle des Sozialpsychiatrischen Zentrums (SPZ) in Köln Kalk ein ganz besonderes Kunstobjekt: ein großes, blaues Pferd. Gebaut wurde es von der Besucher*innen des Ateliers unserer Tagesstrukturierenden Angebote (TSA). Über mehrere Wochen hinweg entstand es in gemeinsamer Arbeit – aus Pappe, Draht, Pappmaché und viel blauer Farbe. Auch Klient*innen aus der Holzwerkstatt haben sich beteiligt – ein gelungenes, bereichsübergreifendes Projekt, das von Anfang an von Austausch, Zusammenarbeit und Begeisterung getragen war.

Bereits zu Beginn – und immer wieder im Laufe des Projekts – wurde über die Geschichte des blauen Pferdes, die Psychiatrie damals und heute sowie viele weitere psychiatrische Themen gesprochen und diskutiert. Die Auseinandersetzung mit diesen Inhalten hat das Projekt besonders wertvoll gemacht. 

Marco Cavallo – Das Original aus Triest

Das blaue Pferd ist inspiriert von Marco Cavallo, einem Kunstprojekt aus der ehemaligen psychiatrischen Anstalt San Giovanni in Triest, Italien. Dort lebten über viele Jahrzehnte mehr als 1200 Menschen in oft menschenunwürdigen Verhältnissen – isoliert, entrechtet und entmündigt.

Anfang der 1970er Jahre setzte der Psychiater Franco Basaglia dort grundlegende Veränderungen in Gang: Er öffnete die Abteilungen, stellte Verbindungen zur Außenwelt her und initiierte die Schließung der Anstalt zugunsten einer gemeindenahen, menschenwürdigen Versorgung.

Zum symbolischen Abschluss dieses Wandels bauten Patient*innen und Mitarbeitende 1973 gemeinsam ein riesiges blaues Pferd aus Pappmaché und zogen mit Musik und Tanz aus der Klinik – ein Akt der Befreiung und ein starkes Zeichen für Selbstbestimmung, Hoffnung und Solidarität. Marco Cavallo wurde so zum Symbol einer neuen Psychiatrie.

Das Pferd als Gesprächsanlass

Auch bei uns steht das blaue Pferd für einen Wandel – in der Haltung gegenüber psychischer Erkrankung, im Umgang mit Betroffenen und im Verständnis von Teilhabe. Es lädt ein zum Gespräch: über die Geschichte der Psychiatrie, über Demokratie und über die Bedeutung von Inklusion und Würde in der heutigen Versorgung.

Seit Juni steht in vielen Sozialpsychiatrischen Zentren (SPZ) ein eigenes blaues Pferd – als sichtbares Zeichen für Austausch, Aufklärung und einen offenen Umgang mit psychischen Krisen.

Psychiatrie im Wandel – von der Verwahrung zur Teilhabe

Der Weg von den geschlossenen Anstalten hin zur gemeindeorientierten Versorgung in SPZ und Sozialpsychiatrischen Diensten war ein langer – angestoßen durch die Psychiatrie-Enquête der 1970er Jahre. Sie forderte eine menschlichere, wohnortnahe und integrative Psychiatrie – eine Forderung, die wir bis heute leben und weiterentwickeln.

„Beauty is a human right“ – Schönheit, Würde und Selbstbestimmung sind keine Privilegien, sondern Grundrechte. Das blaue Pferd erinnert uns jeden Tag daran.