
REIFFERSCHEID/BERLIN - Eine Reise nach Berlin, der Besuch einer Fernseh-Show, Übernachtung in einem schönen Hotel, am nächsten Tag ins Neue Museum, um Nofretete zu sehen – und mit 33 000 Euro nach Reifferscheid zurückfahren. Hört sich unglaublich an, aber Martina Hilger-Mommer und der 13-jährige Tobias haben es erlebt.
Doch der Reihe nach: Martina Hilger-Mommer arbeitet für die AWO-Betriebsgesellschaft „Der Sommerberg“. Und diese Gesellschaft betreibt in Reifferscheid eine Wohngruppe für die Betreuung verhaltensauffälliger Jungen. „Wir haben derzeit acht Jungen in einer Eins-zu-Eins-Betreuung“, sagt die Regionalleiterin. Derzeit sind die Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen zehn und 16 Jahren, die einen schwierigen Lebensweg hinter sich haben, der von sozialer Ausgrenzung, Vernachlässigung und Gewalt geprägt war, in einem Ausweichquartier untergebracht.
Denn die seit sieben Jahren genutzte Immobilie, ein ehemaliges Ferienheim eines Tapetenfabrikanten, habe nicht mehr den Ansprüchen an eine moderne Einrichtung entsprochen. „Unter anderem beim Brandschutz, aber auch bei anderen Aspekten“, so Hilger-Mommer. Daher wurde das Gebäude inzwischen abgerissen, an gleicher Stelle entsteht ein Neubau – und für den braucht es Geld. „Wir haben unter anderem bei der Stiftung Deutsches Hilfswerk einen Förderantrag gestellt.
So fing alles an“, sagt die Regionalleiterin. Denn gemeinsam mit Tobias reiste sie nach Berlin, um bei der Aufzeichnung des „Unglaublichen Quiz der Tiere – Stars spielen für die ARD-Fernsehlotterie“ beizuwohnen. Gestern Abend dann wurde die Sendung ausgestrahlt. Schauspieler Ingo Naujoks erspielte 33 000 Euro zugunsten der Reifferscheider Einrichtung. Drei prominente Gäste treten im Quiz jeweils für ein wohltätiges Projekt der Fernsehlotterie gegeneinander an und stellen sich dafür Frank Elstners Fragen aus der Tierwelt. Mit dem von Projekt-Pate Ingo Naujoks erzielten Gewinn unterstützt die Fernsehlotterie nun den Neubau des betreuten Wohnbereichs.
„Das war alles ganz schön spannend“, erzählt Martina Hilger-Mommer von der Reise. Eine Fernseh-Show live mitzuerleben, sei schon ein besonderes Ereignis gewesen. „Dabei haben wir auch noch die Greifvogelstation Hellenthal in Aktion erlebt, weil die Bestandteil der Show war“, sagt die Regionalleiterin – ein witziger Zufall. Die Übernachtung im tollen Hotel sei dann ebenfalls ein schönes Erlebnis gewesen. „Und dann hatte Tobias für den Folgetag einen Wunsch frei“, sagt Hilger-Mommer. Sie habe sich schon auf alles Mögliche eingestellt, doch dann habe Tobias einen eher ungewöhnlichen Wunsch geäußert. „Er wollte die Nofretete sehen“, sagt sie. Und so seien sie ins Museum gegangen, um sich die Büste der Hauptgemahlin des ägyptischen Pharao Echnaton anzuschauen. Nun sind sie zurück in Reifferscheid. „Da können wir – wenn alles nach Plan läuft – im Dezember Richtfest feiern“, sagt Martina Hilger-Mommer.
Autor: Ronald Larmann
Kölnische Rundschau, 21.10.11